Schweiz setzt im Libanon in einem Schlüsselmoment diplomatische und humanitäre Akzente (de)
Berna, 06.07.2026 — Patricia Danzi, die Direktorin der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), und Monika Schmutz Kirgöz, Chefin der Abteilung Mittlerer Osten und Nordafrika des Staatssekretariats des EDA, haben vom 3. bis 5. Juli 2026 im Libanon politische Gespräche geführt und sich ein Bild von der humanitären Situation der Bevölkerung gemacht. Einige Tage nach dem Abschluss des trilateralen Rahmenabkommens zwischen den USA, Libanon und Israel unterstrichen sie die Bereitschaft der Schweiz, in einem für die Region wichtigen Moment Gute Dienste zu leisten. Zudem überprüften sie, wie die im März vom EDA zugesagte Nothilfe im Libanon umgesetzt wird.
Im Rahmen der politischen Konsultationen traf Botschafterin Schmutz Kirgöz in Beirut mit ihrem libanesischen Amtskollegen, Ibrahim Assaf, Direktor für politische und konsularische Angelegenheiten im libanesischen Aussenministerium, zusammen. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die aktuelle Sicherheits-, innenpolitische und wirtschaftliche Lage im Libanon, die volatilen Entwicklungen in der Region sowie bilaterale und internationale Themen von gemeinsamem Interesse.
Botschafterin Schmutz Kirgöz begrüsste die laufenden diplomatischen Bemühungen zur Stabilisierung der Lage im Libanon und bekräftigte die Bereitschaft der Schweiz, diese Prozesse zu unterstützen. Sie bot die Guten Dienste der Schweiz an und unterstrich, wie wichtig ein inklusiver politischer Dialog, der alle betroffenen Akteure einbezieht, sowie eine politische Perspektive für dauerhaften Frieden und Sicherheit im Libanon sei.
Später wurde Botschafterin Schmutz Kirgöz von Präsident Joseph Aoun empfangen. Der Austausch widmete sich den Chancen und Herausforderungen des laufenden Stabilisierungsprozesses.
Schweiz leistet humanitäre Nothilfe
DEZA-Direktorin Patricia Danzi führte ihrerseits Gespräche mit Partnern der Entwicklungszusammenarbeit und verschaffte sich vor Ort ein Bild über die Auswirkungen der anhaltenden Krisen auf die Bevölkerung.
Der Fokus lag dabei auf der Situation im Süden des Landes. Dort zeigen sich die Folgen der wirtschaftlichen, sozialen und sicherheitspolitischen Herausforderungen besonders deutlich. Mit lokalen Behörden, internationalen Organisationen und zivilgesellschaftlichen Akteuren sprach sie über den Bedarf, Versorgungslücken und die Wirksamkeit laufender Programme. Die humanitäre Lage bleibt angespannt: Ende Juni waren landesweit über 700'000 Menschen binnenvertrieben. Davon lebten rund 52'000 Personen in Gemeinschaftsunterkünften. Seit März wurden infolge der Kampfhandlungen zudem mehr als 4'200 Todesopfer und über 12'000 Verletzte registriert. Wegen der gravierenden Auswirkungen des Kriegs im Nahen und Mittleren Osten auf die Bevölkerung hat die Schweiz 2026 bereits 13,5 Mio. CHF für die Region bereit gestellt, davon 5,5 Mio. CHF für den Libanon, und bestehende Programme an die dringendsten Bedürfnissen angepasst.
Vor Ort besuchte Botschafterin Patricia Danzi Gemeinden, die von Binnenvertreibung betroffen sind. Viele haben nur eingeschränkten Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen in den Bereichen Gesundheit, Wasser- und Sanitärversorgung oder Bildung. Auch Stromversorgung und Arbeitsmöglichkeiten bleiben unsicher. Viele Haushalte leiden zudem unter den steigenden Lebenshaltungskosten. Lokale Partner der DEZA stellen nach Möglichkeit zentrale Leistungen sicher. So erreichten humanitäre Organisationen bisher über 1,1 Millionen Menschen mit Wasser-, Sanitär- und Hygienemassnahmen, während Gesundheitspartner mehr als 440'000 medizinische Konsultationen für Vertriebene ermöglichten.
Auch auf die Stärkung der Resilienz legte die Direktorin der DEZA einen Fokus. Sie besuchte Projekte, die Gemeinden widerstandsfähiger machen – durch nachhaltige Wassernutzung, Unterstützung kleiner Unternehmen oder Bildungsangebote für Jugendliche.
Der gemeinsame Besuch der Schweizer Botschafterinnen vereinte Diplomatie, Friedensförderung und Entwicklungszusammenarbeit. Mit diesem breiten Ansatz setzt die Schweiz ein Zeichen für Stabilität, Dialog und nachhaltige Entwicklung in einer Region, die weiterhin zu den geopolitischen Brennpunkten der internationalen Gemeinschaft zählt.
