Aussenwirtschaftsbericht 2025: Wirtschaftliche Offenheit als Leitprinzip der Schweiz
Bern, 14.01.2026 — Der Bundesrat hat am 14. Januar 2026 den Bericht zur Aussenwirtschaftspolitik 2025 verabschiedet. Die zunehmenden geoökonomischen Spannungen und Unsicherheiten in den Handels- und Wirtschaftsbeziehungen stellten die Schweiz im Berichtsjahr vor Herausforderungen. Schweizer Unternehmen sind weiterhin auf eine Einbindung in globale Wertschöpfungsketten angewiesen. Eine Politik der wirtschaftlichen Offenheit bleibt daher trotz des veränderten globalen Kontexts im Interesse der Schweiz.
Die Schweiz ist eine mittelgrosse, offene Volkswirtschaft, die über wenig natürliche Ressourcen verfügt, einen kleinen Binnenmarkt aufweist und keinem grossen Wirtschaftsblock angehört. Ihr Wohlstand beruht insbesondere auf wertschöpfungsstarken, hochspezialisierten Industriezweigen und Dienstleistungssektoren. Daher ist die Schweizer Wirtschaft auf einen möglichst reibungslosen internationalen Marktzugang angewiesen – sowohl für Importe und Exporte als auch für Investitionen. Die Schweiz kann weder die globalen Regeln definieren oder durchsetzen, noch auf «strategische Autonomie» setzen.
Allerdings verfügt die Schweiz über Standortvorteile, die sie von grossen Blöcken und vielen anderen Staaten unterscheidet. Hierzu gehört unter anderem ihre aussenwirtschaftspolitische Souveränität, die es ihr ermöglicht, ihre Rahmenbedingungen in vielen Politikfeldern gezielt auf ihre Bedürfnisse auszurichten und massgeschneiderte Wirtschaftsabkommen mit Partnern in aller Welt auszuhandeln.
Neuausrichtung der US-Handels- und Wirtschaftspolitik
Im Berichtsjahr 2025 sah sich die Schweizer Aussenwirtschaft neben anhaltenden geopolitischen Spannungen insbesondere mit der grundlegenden Neuausrichtung der Handels- und Wirtschaftspolitik der USA konfrontiert. Die protektionistische Ausrichtung und die Abwendung von zentralen multilateralen Institutionen führten zu einem massgeblichen Vertrauensverlust und einer Schwächung der Rechtssicherheit in der Weltwirtschaft. Angesichts der Bedeutung des US-Marktes für die Schweizer Exportindustrie führte der Bundesrat einen intensiven Austausch mit der US-Administration. Ein Ergebnis war die am 14. November 2025 publizierte Absichtserklärung im Handelsbereich zwischen der Schweiz, Liechtenstein und den USA.
Die handelspolitischen Massnahmen der USA und deren Auswirkungen stehen im breiteren geopolitischen Kontext. Tendenzen hin zur Regionalisierung und Fragmentierung von Wertschöpfungsketten zeigen sich in Initiativen und Massnahmen der grossen Wirtschaftsräume USA, China und EU. In diesem Zusammenhang wird ein verstärktes Augenmerk auf die wirtschaftliche Sicherheit sowie den Erhalt der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit und somit auf den Standortwettbewerb gelegt.
Diversifikation der Schweizer Wirtschaftsbeziehungen
Im aktuellen geopolitischen Kontext sind für die Schweiz die Diversifikation und die Absicherung der bilateralen und multilateralen Wirtschaftsbeziehungen noch bedeutsamer. Im Berichtsjahr konnte der Bundesrat diese Beziehungen durch die Unterzeichnung von Freihandelsabkommen mit dem Mercosur, mit Malaysia, Thailand, Kosovo und der Ukraine sowie durch das modernisierte Investitionsschutzabkommen mit Chile vertiefen.
Der Bundesrat hiess im Juni 2025 die Abkommen des Pakets Schweiz–EU (Bilaterale III) gut. Das Paket, das in der Vernehmlassung von einer klaren Mehrheit befürwortet wurde, soll den bewährten bilateralen Weg mit der EU, der mit Abstand wichtigsten Handelspartnerin der Schweiz, stabilisieren und weiterentwickeln.
Um offenen, fairen und regelbasierten Handel zu fördern, verstärkte die Schweiz ihr Engagement – neben der Welthandelsorganisation WTO – auch in plurilateralen Prozessen. So rief die Schweiz im Berichtsjahr gemeinsam mit Neuseeland, Singapur und den Vereinigten Arabischen Emiraten die Future of Investment and Trade Partnership (FITP) ins Leben.
Im sich dynamisch verändernden internationalen Umfeld bleibt es für den wirtschaftlichen Erfolg der Schweiz zentral, dass sich Unternehmen möglichst rasch und flexibel an neue Begebenheiten anpassen können. Über die Aussenwirtschaftspolitik hinaus intensivierte der Bundesrat daher im Berichtsjahr die Bemühungen zur Umsetzung der wirtschaftspolitischen Agenda vom Mai 2024. So verabschiedete er beispielsweise im November 2025 ein Massnahmen-Paket zur regulatorischen Entlastung der Unternehmen.
