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MedienmitteilungVeröffentlicht am 17. September 2026

Konjunkturprognose: Wirtschaft wächst 2026 stärker als bisher erwartet

Bern, 17.09.2026 — Die Expertengruppe Konjunkturprognosen des Bundes hebt ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in der Schweiz an. Für 2026 erwartet sie ein Wachstum von 1,7 % (Prognose von Juni: 0,9 %), für 2027 unverändert 1,6 % [1]. Das Schweizer BIP ist zuletzt kräftig gewachsen. Der Iran-Konflikt, hohe Energiepreise und die anhaltende handelspolitische Unsicherheit bergen jedoch erhebliche Konjunkturrisiken.

Im 2. Quartal 2026 wuchs das Sportevent-bereinigte BIP ausserordentlich kräftig um 1,5 %. Im Einklang mit den verbesserten Stimmungsindikatoren war das Wachstum branchen- wie nachfrageseitig breit abgestützt. Dennoch dürfte der Zuwachs die zugrunde liegende Konjunkturdynamik überzeichnen: Fast die Hälfte entfiel auf die stark schwankende Wertschöpfung der chemisch-pharmazeutischen Industrie, begleitet von einem kräftigen Exportanstieg. Für das zweite Halbjahr geht die Expertengruppe daher von einer gewissen Gegenbewegung aus.

Trotz der erwarteten Gegenbewegung bleibt die Konjunktur grundsätzlich auf Erholungskurs. Zudem bewirkt das starke erste Halbjahr eine deutliche Aufwärtsrevision der Wachstumsprognose. Die Expertengruppe erwartet für 2026 ein Wachstum des Sportevent-bereinigten BIP von 1,7 % (Prognose von Juni: 0,9 %). Insbesondere der Aussenhandel dürfte stärker zum diesjährigen Wachstum beitragen als noch im Juni erwartet. Dafür sprechen die bisher kräftige Entwicklung, das etwas günstigere weltwirtschaftliche Umfeld sowie die jüngste Abwertung des Schweizer Frankens, welche die wechselkursexponierten Bereiche der Exportwirtschaft stützt.

Wie bisher ist ausserdem eine moderate Expansion der Binnennachfrage zu erwarten. Die steigende Auslastung der Produktionskapazitäten stützt die Investitionstätigkeit, und der private Konsum dürfte weiterhin moderat wachsen. Trotz des jüngsten Anstiegs bewegte sich die Inflation bis zuletzt auf gemässigten Niveaus, und die Terminmärkte lassen im Verlauf der kommenden Monate rückläufige Erdölpreise erwarten. Basierend darauf prognostiziert die Expertengruppe für 2026 und 2027 unverändert eine jahresdurchschnittliche Inflation von jeweils 0,6 %.

Für 2027 ist eine weitere Belebung der Weltnachfrage zu erwarten. Das europäische Ausland, insbesondere Deutschland, dürfte sich weiter von der Schwächephase der vergangenen Jahre erholen, was auch die Schweizer Wirtschaft stützt. Für das Sportevent-bereinigte BIP wird unverändert ein Wachstum von 1,6 % erwartet.

Die Wirtschaftsentwicklung widerspiegelt sich auch am Arbeitsmarkt und lässt allmählich sinkende Arbeitslosenzahlen erwarten. Die Arbeitslosenquote dürfte im Jahresdurchschnitt 2026 bei 3,1 % zu liegen kommen und 2027 leicht auf 3,0 % zurückgehen (unveränderte Prognose).

Konjunkturrisiken

Es ist auch eine günstigere Entwicklung als prognostiziert denkbar. Dies etwa, falls die BIP-Entwicklung im zweiten Halbjahr stärker ausfällt als aktuell unterstellt. Zudem könnte sich eine stärkere konjunkturelle Erholung international und damit auch in der Schweiz materialisieren; eine günstigere Entwicklung am Arbeitsmarkt könnte die Binnennachfrage dann zusätzlich stärken.

Allerdings bleibt der Konflikt im Mittleren Osten ein wesentliches Risiko für die globalen Konjunkturaussichten. Anhaltend hohe Erdölpreise könnten die Weltkonjunktur erheblich belasten; auch in der Schweiz würde die Inflation dann höher ausfallen. Angesichts der tiefen Speicherstände in Europa sind auch beim Erdgas weitere Preisanstiege möglich. Umgekehrt könnte eine rasche Beruhigung der geopolitischen Lage die Energiemärkte entlasten.

Die vorliegende Prognose basiert auf der technischen Annahme, dass die US-Importzölle im Wesentlichen auf dem aktuellen Niveau bleiben. Die Unsicherheit bleibt aber bestehen und weitere Anpassungen der US-Zollpolitik sowie zusätzliche handelspolitische Massnahmen sind möglich [2].

Weitere Konjunkturrisiken gehen von möglichen Korrekturen an den Finanzmärkten und der globalen Verschuldung aus, zumal die Finanzierungskosten international gestiegen sind. Bei einer Materialisierung verschiedener Risiken wäre zudem mit Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken zu rechnen.

[1] Die vorliegende Prognose wurde am 8. September finalisiert. Weiterführende Informationen finden sich im beiliegenden Kapitel « Konjunkturprognose » der « Konjunkturtendenzen Herbst 2026 » sowie unter www.seco.admin.ch/konjunkturprognosen .

[2] So sind die Resultate der am 11. März 2026 von den USA initiierten Untersuchung gegen eine Reihe von Staaten inklusive der Schweiz im Zusammenhang mit angeblichen Überkapazitäten in der industriellen Produktion und deren Ursachen noch nicht bekannt, vgl. https://www.seco.admin.ch/de/handelsbeziehung-schweiz-usa.